Heute schon geflattert? Nein, die Arme muss keiner dafür bewegen. Und Batman kann auch in seiner Höhle bleiben. Stattdessen ist es ein nützlicher Dienst für Webseitenbetreiber und deren Nutzer. Wie es funktioniert und wie Thüringer es einsetzen können – das erklär ich euch heute.

Flattr – das hat nichts mit den Armen zu tun. Höchstens insofern, als dass man seinen Finger bewegen muss, um die Maustaste zu drücken. Bei Flattr handelt es sich um einen sozialen Mikrobezahldienst (Englisch: micopayment system). Damit kann jeder angemeldete Nutzer Artikel oder ganze Webseiten für ihre Arbeit honorieren. Und auf der anderen Seite kann jeder Seiten-Betreiber einen Knopf auf Homepage installieren, um damit auch geflattert werden zu können. Das Wortspiel Flattr ist dabei eine Mischung aus dem englischen Wort für schmeicheln, „to flatter“, und „Flatrate“, also eines einmal gezahlten Betrages der zur unbegrenzten Nutzung erlaubt. Damit erklärt sich auch die Funktionsweise. Man kann sein Bezahlkonto einmal aufladen und dann einstellen, wie viel von dem Betrag man über den Monat hinweg spenden möchte. Das müssen pro Monat mindestens zwei Euro sein. Dieser Betrag wird dann aufgeteilt – zu gleichen Teilen auf alle Seiten, auf denen man den Flattr-Knopf gedrückt hat. Bei den meisten Anbietern sind die Knöpfe allerdings auf die einzelnen Artikel verteilt, so dass man theoretisch nur die Knöpfe auf den einzelnen Seiten eines Angebotes drücken könnte. Oder man drückt eben nur einmal im Monat darauf. Andererseits soll Flattr dazu anregen viele Anbieter zu belohnen.

Allein auf weiter Thüringer Flur

Doch wenn jemand nur Thüringer Angebote belohnen wollen würde, hätte er oder sie es schwer. Wie viel Nutzer es bei Flattr in Thüringen gibt, war unter Verweis auf den Datenschutz von der Organisation nicht zu erfahren. Es gibt im Freistaat bisher nur einzelne Webseitenbetreiber, die Flattr überhaupt benutzen. Zu Ihnen zählt der Jenaer Cartoonist Johannes Kretzschmar, auch bekannt als Beetlebum. Er ist neben mir einer der wenigen Thüringer, der Flattr auf seinem Cartoon-Blog verwendet. Er ist zugleich auch ein typisches Beispiel für einen Flattr-Anwender. Der 30-jährige verdient seine Brötchen hauptberuflich als Doktorand am Institut für Informatik der Universität Jena. „Flattr ist ein Nebenerwerb, allerdings ohne eine direkte gewerbliche Absicht. Ich nutze Dienste, die es Lesern erlauben für Inhalte zu zahlen, aber ich fordere und fokussiere das nicht“, sagt er über den den Bezahlservice. Anders die Berliner tageszeitung. Das Blatt hat Flattr-Knöpfe unter allen Artikeln und fordert die Leser aktiv zur Nutzung auf. Und die Einnahmen durch Flattr betragen bei der Taz immerhin 1473,10 Euro. Und das allein im Monat Juni. Wenn man das auf ein Jahr hochrechnet sind das nicht nur Peanuts, sondern ein erheblicher Betrag. Bei den Gehältern der Taz sicher mindestens eine halbe Redakteursstelle. Allerdings zeigte sich die taz im vergangenen Jahr enttäuscht über die geringe Höhe der Einnahmen.

Bisher keine Haupteinnahmequelle

Trotzdem ist Flattr für so gut wie niemand bisher eine Haupteinnahmequelle. Das liegt zum Teil auch an der Verbreitung des Angebotes: „Flattr ist umso erfolgreicher, je mehr Menschen es benutzen. Und auch wenn Flattr wohl im Vergleich zu anderen Ländern in Deutschland sehr gut angenommen und genutzt wird, ist der derzeitige Gewinn viel zu wenig um davon Leben zu können, geschweige denn zu behaupten, man wäre für den Aufwand gut bezahlt worden“, so Cartoonzeichner „Beetlebum“. Dennoch ist Flattr dabei sich zu etablieren und wird für die Anbieter attraktiver. „Die Einnahmen gehen leicht nach oben. Dabei sind die Flattrklicks selbst weniger geworden – der Betrag pro Klick aber mehr“, meint „Beetlebum“. So verdient der Zeichner im Monat rund 40 Euro damit. Bei 200 Klicks macht das einen Schnitt von rund 20 Cent pro Klick. Experten führen die gesteigerten Pro-Klick-Einnahmen auf die gezieltere Nutzung und das Abebben des Ausprobiereffektes zurück. 

Mehr über beliebte Artikel herausfinden

Neben den Einnahmen spielt allerdings noch ein ganz anderer Aspekt für die Webseitenbetreiber eine Rolle. „Es ist für mich eine Möglichkeit, um festzustellen, welche meiner Artikel wirklich gut gefunden werden“, schreibt Florian Freistetter. Der Jenaer schreibt in seinem Wissenschaftsblog Astrodicticum simplex über Astronomie. „Aber es ist eher nicht meine eigentliche Zielgruppe, die flattrt. Die meisten Flattr-Klicks kriege ich bei Politik und Web.2.0-Themen.“ Das zeigten auch Studien aus der Anfangsphase von Flattr. Vor und einem Jahr schon wurden solche Themen von den Flattrern bevorzugt. 

Klickspenden auch für den Twitterer und den DJ aus dem Club um die Ecke

Das soll sich nach dem Willen der Macher ändern. Damit man bei Flattr nicht allein bleibt, hat sich der Bezahldienst entschlossen die Nutzer dort abzuholen, wo viele Blogger ihr zweites Zu Hause haben. So kann man mittlerweile auch Twitterkonten flattern. Der Besitzer bekommt dann eine Einladung zu Flattr, um sich seine Beträge auszahlen lassen zu können. Ein cleverer Schachzug, um die Nutzerbasis zu erweitern. Auch eine Integration in den Musikdienst Soundcloud, den vor allem Musikproduzenten und DJs nutzen, ist mittlerweile fertig. Facebook und andere sollen wahrscheinlich bald folgen

Hohe Gebühren, wenig verbreitet

Trotz allem gibt es aber auch Kritik. Nicht nur dass der schwedische Bezahldienst rund zehn Prozent Gebühr für seine Klicks verlangt. Das ist im Vergleich zu anderen klassischen Bezahldiensten wie Paypal enorm viel. Besonders die Umständlichkeit des Zahlvorgangs sehen die Anwender als Nachteil. „Das ist die große Hürde. Viele Nutzer wissen nicht, dass es sowas gibt. Und wenn sie es kennen, finden weitere die Anmeldung zu umständlich“, sagt Comiczeichner Kretzschmar. „Auch die Bezahlweise über Paypal ist für netzaffine Nutzer eine Selbstverständlichkeit, wird aber von vielen noch sehr skeptisch und ablehnend gesehen.“ So leidet Paypal nicht erst seit den Problemen mit Wikileaks unter Akzeptanzproblemen in der Webszene. Auch der Mangel an Konkurrenz stößt zuweilen auf böse Resonanz. Einzig in den USA hat Flattr durch den dortigen Anbieter Kachingle einen Gegensatz.

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.