Weimar wird wohl nun doch ohne den Hochgeschwindigkeitszug ICE auskommen müssen. Entgegen der Aussagen von Bahnchef Grube wird es wohl schon ab 2015 soweit sein. Stattdessen bekommt die Stadt eine Fernverkehrsanbindung mit einem neuen Zug, der ab 2013 ausgeliefert wird. Die betroffenen Städte werden über eine Steuerungsgruppe in die Planung einbezogen.

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Nach 2015 bereits wird es keine ICE-Halte mehr in Weimar geben. Das war die ziemlich ernüchternde Aussage vom Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn Rüdiger Grube, gestern auf der Pressekonferenz zum Spitzengespräch mit der Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, Verkehrsminister Christian Carius und den Oberbürgermeistern von Weimar und Jena, Stefan Wolf und Albrecht Schröter. Noch letzte Woche hieß es, Weimar werde sogar nach 2017 noch ICE-Halt bleiben. Wie ich hier dokumentiert habe, hat sich Bahnchef Grube damit aber versprochen.

Keine Änderungen zum Fahrplanwechsel im Dezember

Eine weitere Ernüchterung gab es in Bezug auf die ICE-Halte im kommenden Fahrplan ab Dezember 2011. In der Pressemitteilung anlässlich des Spitzentreffens heißt es: „Die Deutsche Bahn hat die Vertreter der Stadt Weimar darüber informiert, dass zum Fahrplanwechsel im Dezember 2011 eine Ausweitung der aktuell rund 30 Fernverkehrshalte pro Tag am Bahnhof Weimar nicht möglich ist.“ Als Begründung wird die enge zeitliche Fahrplantaktung auf der Strecke und die Anschlüsse an den Knoten Leipzig und Frankfurt/Main genannt.

Demgegenüber hatte Matthias Altmann von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) am Beispiel des ICE 1655 durchaus die Möglichkeit eines Haltes in Weimar ausgerechnet. So könnten die Züge zum Beispiel nur eine statt bisher zwei Minuten in Weimar halten und es wäre zudem auch möglich in Leipzig eine Minute später anzukommen. Für den Umstieg in den Zug am Gleis gegenüber, hätte man dann nur noch vier statt fünf Minuten. Freilich ist dies nur ein Zug, aber grundsätzlich gäbe es für drei Minuten sicher mehr Spielräume. „Für Riesa gibt es die drei Minuten ja auch“, hieß es aus dem Protestbündnis.

Städte Weimar und Jena werden in Planung einbezogen

Die Verantwortlichen der Städte Weimar und Jena sollen in die Planungen für die Anbindung des Knotenpunktes Erfurt einbezogen werden. Dazu werde man eine Steuerungsgruppe aus Deutsche Bahn, Thüringer Verkehrsministerium und Vertretern der Städte Weimar und Jena gründen. „Das wir in die Planungen einbezogen werden, hat eine neue Qualität“, so Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD).

Schon ab 2015 kein ICE mehr in Weimar

Für die Weimarer Protestierenden indes ist besonders fatal, dass bereits ab 2015 kein ICE mehr in Weimar halten soll. Der Fahrplan wird jedoch nicht schlagartig ab 2017, sondern gleitend mit jedem Wechsel an den späteren ICE-Knotenpunkt Erfurt angepasst. Die Mitglieder des Aktionsbündnisses sehen dabei besonders Weimar als Kongressstandort gefährdet. „Viele Besucher nutzen bisher das Kongressticket, um bequem mit den Fernverkehrszügen bis Weimar zu kommen“, so Ulrike Köppel, Geschäftsführerin der Weimar GmbH. Damit wäre dann 2015 Schluss und Kongressbesucher und Gäste müssten zunächst in Regionalzügen bis Erfurt fahren. In den Regionalzügen gibt es keine Möglichkeit zur Sitzplatzreservierung. Immerhin gibt es selbst in den Regionalbahnen eine erste Klasse, jedoch ist eine Sitzplatzreservierung dort ebenfalls nicht möglich.

Lokbespannte Doppelstöckige Intercity-Züge ab 2013?

Eine Zusage machte Bahnchef Grube: ab 2013 werde man versuchen lokbespannte doppelstöckige Intercity-Züge einzusetzen. Bisher, wie Grube einräumte, fehlen der Bahn schlichtweg die Züge. Das sei auch das Problem, um die notwendigen drei Minuten für die ICE-Halte bis 2015 durch die Baustellen auf den Streckenabschnitten auszugleichen.

Die lokbespannten IC-Doppelstockzüge sind allerdings alte Bekannte. Es sind die gleichen wie im Regionalverkehr. Unterschied ist jedoch, dass sie mehr Beinfreiheit erhalten sollen. An allen Plätzen soll es einen Stromanschluss geben. Zudem solle Platz für zehn Fahrräder pro Zug bereitgestellt werden. Mit dem Einsatz ab 2013 wird es allerdings schwierig, da die Auslieferung der Züge erst für Ende 2013 geplant ist.

Höchstgeschwindigkeit weit unter bisherigen Intercity

Knackpunkt der neuen Züge ist zudem ihre Höchstgeschwindigkeit. Die liegt nämlich mit 160 Stundenkilometern satte 40 unter denen der heutigen IC-Züge. Dies liegt daran, dass man die Wagen ursprünglich für den Regionalverkehr bestellt hatte, jedoch wegen der Wagenknappheit im Fernverkehr eine Umrüstung in Auftrag geben musste, wie mehrere Medien bereits im Januar berichteten. Bahnvorstand für den Personenverkehr Ulrich Homburger kündigte damals an, eine Zulassung für eine Höchstgeschwindigkeit von 185 Stundenkilometern erhalten zu wollen. Die Wagen selbst sollen allerdings auf jeden Fall im Design des Fernverkehrs, also weiß mit roten Streifen, gestrichen werden. Beim Protestbündnis „Nächster Halt – Weimar“ sprach man deshalb gestern auch scherzhaft von „Potemkinschen Zügen“.

Kosten für zusätzliche Kilometer bleiben beim Bahnfahrer

Für die Reisenden aus Weimar und Jena die in Zukunft über Erfurt nach Berlin oder München fahren müssen, wird die Fahrt dadurch teurer werden. „Zusätzliche Streckenkilometer bedeuten meist auch einen höheren Fahrpreis“, beantwortet eine Bahnangestellte die nicht genannt werden möchte meine Anfrage. Bei den derzeitigen Preisen macht dies zum Beispiel für eine Verbindung von Weimar nach Dresden nur mit dem ICE einen Unterschied von fünf Euro aus. Allerdings hängt der Preis der Bahnfahrt von vielen Faktoren ab. Bahnchef Rüdiger Grube stellt jedoch in Aussicht Weimar über die bahneigenen Tochterfirmen besser bewerben zu wollen. Man wolle „spezielle Marketingangebote entwickeln“, um „sowohl für Besucher die Anreise zur Kulturhauptstadt durch besondere Preismaßnahmen attraktiver zu gestalten als auch den Bewohnern der Stadt Weimar besondere Angebote für Fernreisen zu bieten“. Weiterhin wird die DB für die Bewerbung der Stadt Weimar bahneigene Werbeflächen in Fernverkehrszügen zur Verfügung stellen. Ob dies für Jena auch zutrifft, wurde nicht mitgeteilt.

ICE-Knotenpunkt ist politische Entscheidung

Die Entscheidung Erfurt zum Knotenpunkt für ICE auszubauen wurde bereits 1994 mit dem Beschluss zum Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE) 8 getroffen. Damals legte der damalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) zusammen mit seinen Kollegen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Trassenführung fest. Deshalb wiesen sowohl Bahnchef Grube, als auch Verkehrsminister Carius, gestern die Verantwortlichkeit von sich. „Das war eine politische Entscheidung auf die die Bahn keinen Einfluss hatte“, so Grube.

Kritik von Politikern aus der Region

Neben den Weimarer Grünen, die Teil des Aktionsbündnisses sind zeigten sich indes auch Vertreter aus der Partei von Verkehrsminister Carius unzufrieden. Der Weimarer Bundestagsabgeordnete Carsten Schneider äußerte sich in einer Pressemitteilung enttäuscht: „Es ist schlicht nicht nachvollziehbar, wie die Kultur- und Kongressstadt Weimar und der Wissenschafts- und Industriestandort Jena weiterhin bedeutende Rollen für Thüringen spielen sollen, wenn beide aufs Abstellgleis geschoben werden. ICE-Stopps im 2-Stunden-Takt sind das Mindestmaß, um wirtschaftlichen Schaden von den Städten abzuhalten“, so Schneider.  Auch die verkehrpolitische Sprecherin der Linken Gudrun Lurkin kritisiert Bahn und Verkehrsministerium für die schwachen Ergebnisse des Gipfels. „Der Bahngipfel brachte zwar viele schöne Worte, aber keine belastbaren Aussagen“,so Lurkin.

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