Was ist besser: Berliner Mauer oder Chinesische Mauer? Das fragte sich heute die Reiseredaktion von Spiegel Online. Ein geschmackloser Vergleich, wie nicht nur ich finde.

Das Sommerloch war es diesmal wohl nicht. Denn die Redakteure der Reiserubrik von Spiegel Online stellen öfters allerlei seltsame Vergleiche an. Da wird der Vesuv Wörlitz gegenüber gestellt. Und Neuseeland mit dem Seengebiet „Neuseenland“, welches bei Leipzig künstlich geschaffen wurde, verglichen. Nun sind die Vergleiche nicht wissenschaftlich und haben einen gewissen Unterhaltungswert. Und genau da ist auch das Problem. So ist es dann doch etwas abstrus und geschmacklos, wenn Spiegel Online heute die Berliner Mauer mit der Chinesischen Mauer vergleicht.

 

Mauervergleich bei Spiegel Online, Quelle: Spiegel.de

Für die Angehörigen der 136 Mauertoten und wahrscheinlich auch für einen nicht unerheblichen Teil der ostdeutschen Bevölkerung, welche fast 30 Jahre hinter der höhnisch als „antifaschistischer Schutzwall“ bezeichneten Konstruktion eingesperrt waren, dürfte dies ein Schlag ins Gesicht sein. Ernst-Otto Schönemann von der „Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft“ findet den Vergleich daher „schlampig und beleidigend gegenüber den Millionen eingesperrten Deutschen in der ehemaligen DDR“. Man brauch nicht darüber sinnieren wie historisch sinnlos dieser Vergleich ist, aber wie unangebracht. Man kann zwar im Anriss den folgenden Satz lesen „In der DDR diente die Mauer dazu, die Bürger an der Flucht zu hindern.“, aber das war es dann auch schon mit geschichtlicher Einordnung. Es wird ansonsten mit keiner Zeile erwähnt, wie viel Menschen dort umkamen, wie viel Leid das Grenzsystem über die Bürger auf beiden Seiten gebracht hat, wie viel Familien, Ehen und Freundschaften sie zerstört hat. Stattdessen stellt man lieber allerlei kuriose Fakten zusammen, wie das Pink Floyd hier nach dem Ende der Betonsperre spielten oder das David Hasselhoff wohl doch nicht für deren Ende als Grenzwall verantwortlich sei. Für Spiegel Online ist sie anscheinend eine Touristenattraktion. Und damit unterstützt man in Hamburg den üblen Beigeschmack, den der Mauertourismus hat. Wäre es doch wünschenswert, wenn sich die Touristenscharen, welche sich vor der Eastside Gallery fotografieren lassen, sich später auch in einer Gedenkstätte wiederfinden würden, in der man angemessen an die Schreckenstaten dort erinnert. Die Reiseseite ist dafür nicht der geeignete Ort, vielleicht eher das preisgekrönte hauseigene Portal Einestages. „Hier soll ein sicher attraktiver Nebeneffekt die historische Anziehungskraft eines menschenverachtenden Jahhundertereignisses in seiner Dimension und seiner schweren historischen Schande überdecken“, so Ernst-Otto Schönemann vom Opferverband. Auch bei der Gedenkstätte „Berliner Mauer“ findet man solche Vergleiche unangebracht: „Wir lehnen Gegenüberstellungen der Berliner Mauer in jeder Form ab, da solche Vergleiche das System nicht geschichtlich einordnen können“, so Thomas Klein, Pressesprecher der Gedenkstätte.

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