Screenshot from 2013-01-31 15:55:01

Liebe Julia von Paperblog,

ich gehe mal davon aus, dass Sie so heißen, denn leider finde ich nirgends einen Nachnamen von Ihnen. Auch scheinen Sie ja noch eine Schwester zu haben. Denn andere Blogger berichten mir, dass eine “Johanna von Paperblog“ ihnen geschrieben hätte. Ihre Mutter muss dann wohl eine Vorliebe für Vornamen mit J gehabt haben. Das finde ich schön.
Wie denn auch sei, freue ich mich ja immer über Post von anderen Menschen und als junger Mann natürlich auch besonders über Post von jungen Damen. Jedoch fand ich das Angebot in ihrer Mail vom 22. Januar etwas unanständig und hatte mich deshalb auch entschieden Ihnen einfach nicht zu antworten. Da Sie mir nun heute aber nochmals geschrieben haben, möchte ich Ihnen nun doch gerne meine etwas unhöfliche Nichtreaktion erklären.

Nachdem ich also die erste Mail von Ihnen bekommen hatte, in der es unter anderem heißt, Paperblog sei eine „partizipative Internetseite für Blogger“ und sie würden gern ein „alternatives Medium aufbauen, in dem auch Erfahrungen, Meinungen und Ereignisse ihren Weg in die Öffentlichkeit finden, die in den klassischen, großen Medien eher wenig Gehör finden“ – habe ich zunächst etwas recherchiert und auch in den sozialen Medien nach ihrem Projekt gefragt. Als erstes interessierte ich mich natürlich für die Bedingungen ihres Angebotes. Doch sowohl ihre AGB, als auch die Posts in den anderen Blogs ernüchterten mich in meiner anfänglichen Begeisterung.

So schließen Sie dort unter anderem aus, dass sie für etwaige Verfehlungen meinerseits haften. Stattdessen wollen Sie meine gesamten Inhalte auf Ihre Seite kopieren und dürfen diese auch übersetzen und auf ihren anderen Portalen online stellen. Wenn ich mich dann an ihr Schreiben vom 22. Januar erinnere, dann ist das nicht wirklich „alternativ“, denn kostenlos Inhalte von mir möchten viele bekommen. Sie wollen lediglich Ihre inhaltslose Plattform für lau mit meinen hart erarbeiteten, sorgsam recherchierten und kreativ geschriebenen Texten versehen. Und daran verdienen Sie mit 4-6 Werbebannern pro aufgerufene Seite sicher nicht schlecht. Als Dank bekomme ich dann einen Link geschenkt. Nur verstehe ich leider nicht ganz, warum ein Leser ihres Portals auf meine Seite wechseln sollte, wenn er bei Ihnen nicht nur alle Texte und Fotos sehen kann, sondern dort auch kommentieren und bewerten darf. Zumal dies, wie Maingold ganz trefflich hinweist, zum Löschen meiner Posts durch Google führen kann.

Ich mache Ihnen deshalb gern einen Vorschlag, wie ihr „Familienunternehmen“ auch etwas für die Urheber dieser Inhalte tun kann. Statt alle Inhalte über RSS „abzusaugen“, empfehle ich Ihnen doch einfach ausgewählte Gastbeiträge zu veröffentlichen. Dafür könnten Sie mich mitunter sogar gewinnen. Denn dann wäre es für die teilnehmenden Blogger nützlich, bei Ihnen etwas veröffentlichen zu dürfen. Ein Link zur Seite und die Nutzer finden dort liebevoll gestaltete Blogs und besuchen diese danach vielleicht auch öfter. Ihnen werden sie schon nicht davonlaufen, denn durch sie sind die Leser ja erst auf unsere Inhalte gestoßen. Und warum sollte ein Bär nicht noch einmal vom Honigtopf naschen, wenn der Honig doch so lecker war?

Wenn Sie Ihre „Verwandtschaft“ davon überzeugen können, dass dies vielleicht ein „alternativer“ Weg sein könnte und eine wirklich „partizipative Internetseite“ schaffen würde, dann lassen Sie es mich wissen. Wenn nicht, sollten Sie womöglich überlegen, ob es noch die richtige Familie für Sie ist.

Bis dahin können Sie gern diesen Brief auf Paperblog veröffentlichen – aber die alleinigen Rechte an den Inhalten von meiner Seite behalte ich gern selbst.

Es grüßt herzlichst

Ihr Peter Althaus
Betreiber des Reiseblogs Rooksack.de und von peteralthaus.com

Update 31.1. um 16:50: Das ging fix. Gerade kam schon eine kurze Antwort. Julia hat offensichtlich schon mehrmals solche Mails verfasst. Sie kommt wohl aus der Familie „J“. Hab ich mich doch geirrt. Kann passieren.

Hallo Herr Althaus,

vielen Dank für die Antwort, auch wenn diese negativ ausfällt. Natürlich verstehen wir, dass unser Projekt nicht alle Blogger gleichermaßen überzeugt.

Viel Spaß weiterhin beim Bloggen!

Beste Grüße von der Familie J

3 thoughts on “An Julia von Paperblog

  • Nico

    Hallo Herr Althaus.

    Danke für diesen Beitrag, Sie sprechen mir aus der Seele.
    Habe genau die gleiche E-Mail bekommen, mit identischem Text, nur über 1 Jahr später wie Sie.

    Ich habe auch schon mit anderen „Copy-Content-Farmen“ gleiche Erfahrungen gemacht, nur das diese erst gar nicht Fragen… wie z.B. Kochhimmel

    In meinem RSS-Feed gibt es nur noch Auszüge zu lesen, ist zwar nicht so schön für meine Leser, macht das Kopieren aber uninteressant.

    So, und jetzt werde ich mich mal nicht bei Paperblog anmelden gehen… ;-)

    Liebe Grüße Nico

    Antworten
  • Eddy

    Der Beitrag ist zwar schon etwas älter, aber ich habe ihn (via Facebook) erst heute entdeckt:

    Herrlich geschrieben – vielen Dank dafür, und „Daumen hoch! :-)

    Ich arbeite seit einem halben Jahr an einem Projekt, dass Komponenten von Paperblog beinhalten wird, ohne die dortigen Nachteile zu übernehmen. Vielleicht magst Du Dich ja mal informieren und bei Interesse in meinen NL eintragen. Dann kann ich Dich informieren, wenn ich (in 2015) starte: http://trusted-blogs.com/startseite/was-ist-trusted-blogs/

    Beste Grüße aus Bremen,
    Eddy

    Antworten
  • Maike

    Herzlichen Dank für diesen Post, Sie treffen den Nagel auf den Kopf!

    Ich erhielt genau die gleichen Mails, in meinem Fall auch von Julia und gebe zu, dass mich der fast schon vorwurfsvolle Ton der 2. Mail bereits so irritierte, das ich nicht weiter wissen wollte, was sich überhaupt hinter der beworbenen Website verbirgt.

    Antworten

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